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29.07.2011
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„770 Jahre Weigelsdorf bei
Münsterberg/Schlesien“:
Die Gemeinde Weigelsdorf und somit auch das „Kirchspiel
Weigelsdorf“ mit den Ortschaften Ober- und Niederkunzendorf,
Weigelsdorf, Münchhof, Schönharte, Tschammerhof und Eichau
hätte in diesem Jahr das 770 - jährige Bestehen feiern
können. Aus einem Bericht der „Münsterberger
Zeitung“ von Juli 1934 haben wir folgendes entnommen:
700 Jahre Weigelsdorf
Anlässlich eines Gemeindeabends hielt Pfarrer Gloger,
Weigelsdorf, einen interessanten Vortrag über Weigelsdorf im
Blick
der Geschichte 1234 bis 1934. Seinen Ausführungen
entnehmen wir
folgendes:
berall
Nach zwei alten, allerdings in Bezug auf Echtheit angezweifelten
Urkunden wurde Weigelsdorf 1234 gegründet. Jedenfalls schenkt
Heinrich I. Gemahl der hl.Hedwig, dem neugegründeten Kloster
Trebnitz zur Sustentation 200 Hufen Landes in der Gegend von
Sambice(=Münsterberg). Dort wurden die drei Dörfer
Wygandisdorf, Konzendorf und Brythe Eiche (=Eichau ) gegründet.
Mag an der Echtheit der Urkunde gezweifelt werden, jedenfalls
fällt die Gründung in diese Zeit, denn die Gründer
Wigand und Ludwig sind Söhne oder Schwiegersöhne des
Erbauers
von Trebnitz und Heinrichau und haben dort mitgeholfen am Bau 1203 bzw.
1222/27. Die Gründer zogen ihre Mitsiedler aus ihrer Heimat
Bamberg und Franken heran und setzten die neuen Siedlungen nach
deutschem Recht aus.
Über die junge Siedlung kamen als erste Feuerprobe die Mongolen-
oder Tatarenkämpfe, 1241, wo Sambice und Heinrichau und
natürlich auch die Umgebung vollständig vernichtet wurden.
Nach der Schlacht an der Wahlstatt bei Liegnitz und nach dem Abzug der
Mongolen ging man üwieder an den Neuaufbau.
Im 15. Jahrhundert kamen die Hussitenkriege über diese
Gegend (
1419 – 1436 ); besonders schwer lastet 1428 auf unserer
Gegend, wo Neustadt, Ziegenhals, die Vorstädte Neisse
gebrandschatzt, auch Ottmachau, Patschkau, Brieg, Grottkau verbrannt,
Strehlen geplündert wurde. Der Herzog von Münsterberg,
der
letzte Piast, fällt beim Winterfeldzug 1428/29 im Kampfe bei
Altwilmsdorf bei Reinerz. Arg hatte der Feind in Schlesien gehaust:
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Städte lagen in Asche, besonders schwer hatten Neustadt, Strehlen,
Frankenstein und Heinrichau gelitten. Brennende Dörfer zeigten den
Weg der abziehenden Feinde. Der größte Teil der Bewohner ist
erschlagen, das Land verarmt, eine Pest und Hungersnot in Trebnitz
bildete den Abschluß. Ein Erfolg aus dieser Zeit ist: Das
Gefühl der Zusammengehörigkeit in Schlesien ist erwacht, das
vorher in 20 Teilfürstentümer zerrissen war; man bildet
einen Landfriedensbund.
In der Mitte des 16. Jahrhunderts werden von den Herzögen von
Münsterberg und Oels protestantische Prediger auf die
Klosterdörfer von Heinrichau und Trebnitz, zu dem Weigelsdorf
gehörte, geschickt und so kommt auch die Kirche von Weigelsdorf in
protestantische Hände, bis am Weihnachtsfest 1653 Pfarrer Dierich
vor 10 Weigelsdorfern und 300 Berzdorfern in der Kirche wieder das
erste hl. Meßopfer liest. Schwer liegt die Zeit des
30-jährigen Krieges auf dem Landvolk. Riesensummen müssen
für die Truppen aufgebracht werden. Als Begleiterscheinung des
Krieges geht 1633 die Pest durch das Land. Auch der Türkenkrieg
1683 hinterließ im Taufbuch ein Andenken. 3 Türkenkinder
werden hier getauft, wohl Kriegsgefangene oder Kriegshinterbliebene von
den Kämpfen vor Wien, die bei den Herren von
Ober-bzw.Niederkunzendorf von Türk und von Falkenhayn, in
Dienst
standen, Rittern, die mit ihren Mannen vor Wien gekämpt
haben.
Auch die drei schlesischen Kriege gehen über das Land. Treu
hält das Land zur edlen Kaiserin Maria Theresia, deren Name fast
in jeder Familie als Taufname wiederkehrt; treue Aufbauarbeit leistet
dann auch die schlesische Heimat unter dem Preußenkönig. Am
3. September 1753 schlägt der Blitz in die Kirche, vernichtet den
Turm und das Dach, ohne zu zünden. Es läuten gerade die
Wetterglocken, als der Blitz zwischen den Glockenseilen
herunterfährt. 1771 herrscht im Lande große Teuerung. Korn
und Weizen ist nicht zu kaufen, 24 Taler wird für Weizen geboten,
die Leute essen nur Kleienbrot, im Glätz`schen und anderen
Ländern nur Quecken.(So die Chronik von Eichau im Turmknopf)
Es kam über das Land die Zeit Napoleons und der Freiheitskriege.
Ein Augenzeuge schildert in der Chronik, wie 1805 eine Hungersnot das
Schicksal Preußens einleitet, wie in Frankenstein 20 – 21
Reichstaler für den Sack Weizen geboten wird, wie 1806/7 eine
Festung nach der anderen fällt, nur Kosel hält sich im
Schlesierlande, wie Hieronymus Bonaparte, Napoleons Bruder, in Breslau
einzog, Tresorscheine ausgegeben wurden, wie der Taler von 30 Groschen
auf 45, dann auf 52 ½ sinkt bis 1823, wie die Reformen von
Stein kamen, wie 1812 der Zug nach Rußland und das Strafgericht
vor Moskau über Napoleon ergeht, wie die Freiheitskriege eisetzen,
wie Blücher bei Kaub über den Rhein geht und Napoleon
schließlich auf St. Helena stirbt. Wie schwer lastet aber der
Friede von Tilsit über dem Lande: 25 Millionen Taler Kriegsschuld
und Unterhalt von 100 000 Franzosen im Lande, bis alles bezahlt ist.
Es kam die Säkularisation der Klöster 1810.
Von Weigelsdorf,
dem letzten überlebenden Priester vom Kloster Heinrichau, Pfarrer
Konstantin Gloger, wird der Abtstab seines Onkels, des letzten Abtes
von Heinrichau, an die Regierung gesandt, der 650 Jahre seine Vertreter
nach Weigelsdorf gesandt hat. Was hat in dieser Zeit das Kloster
Heinrichau seelsorglich geleistet, in schweren Zeiten das Volk
aufgerichtet! Wenn die Bewohner in schwersten Zeiten fast verzagten;
welche erzieherische Arbeit ging von den Klosterschulen und
Pfarrschulen aus! Welche Wohltätigkeit, wenn z.B. zur
Zeit
der Hungersnot 1805 täglich 900 – 1100 Menschen ohne
Unterschied der Konfession an der Klosterpforte gespeist wurden.
Auch
in wirtschaftlicher Beziehung strömte vom Kloster Segen ins Land:
Die Arbeit bekommt sittliche Weihe. Im Mönchskittel bei der
Landarbeit waren alle Stände sozial geeint. Der Ohlesumpf wird
trocken gelegt, das Wasser zu Fischteichen, Mühlen verwendet, es
blüht an Industrie die Weberei, Schumacherei, Brauerei. Der
Gartenbau, Gemüse-, Obstbau wird vorbildlich in der
Münsterberger Gegend. Neue Obstsorten werden vom Stammkloster aus
Frankreich und Süddeutschland herüber gebracht und das
Landvolk lernt von ihnen. In einer Zeit, wo Klosterleute oft als
lästige Müßiggänger angesehen werden, muß
auch darauf hingewiesen werden.
Es folgten die bekannten Zeiten von 1866, 1870, 1914-18.
Ruhmesblätter für schlesische Truppen, Ruhmesblätter
für die Helden und für unsere Frauen, die im Weltkrieg treu
ihre Pflicht taten. 700 Jahre, eine große Spanne. Was
unsere
Vorfahren durchmachten, haben sie mit der Kirche durchgemacht. Die
Kirche weist zum Himmel, ehedem mit herrlicher Spitze, seit zwei
Jahrhunderten mit Notturm versehen, als Tröster und Mahner: „Steh
treu zum Herrgott, treu zur Heimat, treu zum
Vaterland“!
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Mehrmals wurde der Vortrag durch Gedichts-Vorträge der
Schulkinder, die Bezug nahmen auf die schlesische Geschichte,
unterbrochen. Den Schluß des ersten Teils bildete der gemeinsame
Gesang der Vaterlandshymne und des Psalm-Liedes: „Der Herr ist
mein Hirt“. Im zweiten Teil boten Schulkinder einen Fackelreigen,
die Vereine ein lustiges Theaterstück aus dem Landleben und die
Mädchen mehrere Volkstänze. Auch der Kirchenchor trug mit
einigen Gesängen zur Verschönerung des Abends bei. Am
Sonntag, 1. Juli, bildete eine Wallfahrt nach Wartha in drei Lastautos
den Abschluß der 700-Jahrfeier der Gemeinde Weigelsdorf.
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Den hier wiedergegebenen
Vortrag, in dem innerhalb der 700-jährigen Geschichte von
Weigelsdorf bis 1934 auch über viel Not und Leid, Mißernten,
Hungersnöte, Kriegswirren und Pest berichtet wurde, die unsere
Vorfahren überstehen mußten, hat unser allseits
geschätzter Pfarrer und Erzpriester Alfons Gloger vor 70 Jahrer
gehalten. Unter Berücksichtigung dieses Zeitraumes in der
Geschichte von Weigelsdorf, somit 770 Jahre, war 1946 wohl das
schlimmste Jahr. Nach dem verlorenen 2. Weltkrieg folgte die
Vertreibung der gesamten Bewohner Schlesiens, und somit auch des
Kirchspiels Weigelsdorf; beispiellos in der Geschichte! Über
Einzelheiten der Vertreibung und den Verbleib der ehemaligen Bewohner
des Kirchspiels Weigelsdorf, wurde bereits an anderer Stelle berichtet.
( M. Klemenz,Eigenber. Juli 2004 )
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