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>>>>> Diverse Berichte <<<<<
1.)
Ein Brief aus Paris. (von
Berti Naze)
2.) Heimatgedicht ( von G.Dombrowski)
3.) Kath. Kirchenvorstand / Protokolle.
* * * * *
1.) Ein Brief aus Paris.
( Erlebnisse Winter 1945 - Diesen
Brief erhielt der Heimatausschuß und gibt den handgeschriebenen Text
nachstehend wortgetreu wieder.)
20.09.1994
Lieber Heimatausschuß,
Weil ich dieses mal nicht dabei sein kann, wollte ich ein wenig aus der
Vergangenheit plaudern.
Natürlich überlasse ich Ihnen ob der Brief bekannt wird oder nicht.
Vielleicht sind solche Erzählungen zu traurig für einen schönen und gemütlichen
Tag. Mit vielen Grüßen an den Heimatausschuß von mir, bekannt oder
unbekannt, aber doch Heimatfreundin.
Berti Naze , Paris
20.09.1994
Liebes Heimattreffen, liebe Freunde
aus der Heimat,
Leider kann ich beim
Treffen der Weigelsdorfer in diesem Jahr nicht dabei sein, aber im Geiste
werde ich jedem die Hand drücken und ich werde sagen: „Weißt Du`s noch ?-
Kannst Du Dich erinnern?“ – usw.-usw. Ich weiß, daß man erzählen wird wie
es heute in unserer Heimat aussieht, weil ja einige von den Anwesenden
schon mehrere Male dort gewesen sind. Doch
jedesmal wenn man mir von diesen Reisen erzählt, muß ich immer an meine
letzte Reise nach Schlesien denken. Jedesmal kommt es mir so vor, als
wäre es gestern gewesen.
- - - - -
Damals war ich in
Hamburg und von da bis Weigelsdorf war`s ein weiter Weg. Mit
Fliegerangriffen und Flüchtlingen aus Ostpreußen und Schlesien. Es
gab zwar überall Züge, die kamen und gingen, aber wenn man fragte, wie man
am besten nach Breslau käme, war es immer die selbe Antwort: „Keine Einreise
nach Breslau“! Kam man dann doch nach Breslau, mußte man wieder zurück
reisen, weil der Russe schon am Odertore war. So nahm ich Züge mit nur
kurzen Strecken, bis ich endlich in Hirschberg war und von da wollte ich
nach Glatz. Das alles dauerte fast drei Tage, ohne Schlaf und ohne Essen.
Doch am schlimmsten war die Kälte auf dem offenen Bahnsteig in Hirschberg.
Dort war Schneesturm, und ich wartete fast einen ganzen Tag auf einen Zug.
- - - - -
Freilich gab es Wartesäle, aber die mußte man doch
den Müttern lassen, die kleine und kleinste Kinder hatten. Es waren viele
Frauen da, die ihre Kinder mit ausgestreckten Armen über ihre Köpfe
hielten, damit man sie nicht erstickte. Oft muß ich an diese Kinder
denken und ich frage mich, ob sie erfahren haben, wie schwer es für
ihre Mutter war, sie am Leben zu erhalten. Das – und noch viele, viele
traurige Ereignisse erlebte ich bis Glatz. In Glatz, gegen 22.oo Uhr – ich
brauchte das erstemal nicht warten – kam ein Zug der nach Strehlen fahren
sollte. Aber niemand wußte wie weit der Zug wirklich fahren würde. Es waren
Truppen, die im Zug waren. Sie sollten an die Front. Doch keiner wußte wo
sie aussteigen würden. Wir kamen nur sehr langsam vorwärts. Mehr als sechs
Stunden brauchten wir bis Münsterberg. Der Bahnhof war hell
erleuchtet wie im Frieden, nur daß man hin und wieder schießen hörte. Der
Beamte, den ich fragte ob die Dörfer ringsum die Stadt schon geräumt
wären, konnte mir keine Auskunft geben. Jetzt erst bekam ich Angst, daß
vielleicht meine Familie nicht mehr zu Hause wäre. Noch nie hatte ich den
Weg von der Stadt bis Weigelsdorf so schnell zurück
gelegt. Endlich die ersten Häuser von Nieder-Kunzendorf. Außer dem
Schnee, der laut knirschte, und den Maschinengewehren die man in der
Stille der Nacht hörte als ob sie schon ganz nahe am Dorf wären, sahen die
Häuser verlassen aus. Aus keinem Fenster kam Licht, und Milchkannen waren
auch nicht auf der Straße. Man sah auch keine Spuren im Schnee von irgend
einem Menschen.
- - - - -
Beim Fleischer in
Nieder-Kunzendorf, sah ich endlich einen Menschen! Er wollte mit
dem Rade fahren, aber der Schnee wollte es anders. Ich rief ihn
sofort an weil ich wissen wollte ob meine Eltern noch im Dorfe wären. Aber
auch er wußte nichts genaues. Ich lief immer schneller, bei dem hohen
Schnee war das gar nicht so leicht. Endlich die Kirche und das
Schulhaus. Der Weg zum Pfarrhaus und zu uns. Auch da hatte niemand Licht,
aber schließlich war es noch lange nicht 6.00 Uhr. So tröstete ich mich und
klopfte ans Fenster. Sofort wurde es lebhaft im Hause. Nur eben sah ich
immer noch kein Licht. Es gab nur Kerzenlicht weil ja der Strom von Neisse
kam und da war ja schon der Russe. Das Schießen , das man hörte, kam aus
Wansen.
Die Mutter machte sofort Feuer und ich erzählte warum ich gekommen war.
" Ich will euch nach Hamburg mitnehmen“! Aber die Mutter
wollte davon nichts wissen. Meine Eltern wollten auf meine Schwester
warten. Sie war dienstverpflichtet auf der linken Oderseite. Auch sie
hatte ich holen wollen, aber es war nicht mehr möglich gewesen dort hin
zukommen. Nach 24 Std. mußte ich wieder nach Hamburg zurück. Genau so
alleine wie ich gekommen war. Die Rückreise war
viel trauriger und schwerer als es die Hinreise gewesen war. Bei allem was
man sehen mußte war mir im Herzen klar,daß ich dieses mal
für immer von meiner Geburtsheimat Abschied genommen hatte, und so
kann ich es nicht ändern, wenn ich bei jedem Treffen an meine letzte Reise
denken muß, und jeden den ich dann in Glandorf treffe, ist für mich ein
Stück Heimat, die mir so zusagen auf halbem Wege entgegen kommt!
- - - - -
Nun sende
ich allen Anwesenden die aller herzlichsten Grüße, und daß es wieder ein
schönes Beisammensein wird. Die Heimatfreundin sagt Ihnen allen: „Auf
Wiedersehn`n !“ Vielleicht das nächste Mal.
Berti Naze, geb. Berger
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Ich mechte noch emal die Hemte sahn,
su wie fer 40 Jahrn.
Die Leute, die Kerche und och a Herrn Pfarrn.
Noch emal durch die Felder und Wiesa lafa
und mittich underm Bernbame schlafa.
Gell, es war doch alles su schien und su gemietlich,
ma lebte alle Tage friedlich.
*****
War Kermis eim Dorfe, do war o was luuß,
beim Onkel der Paschtisch war immer ganz gruuß.
Wir setzen en Biema uuf ene Zahl,
doch Ehner bloos hatte daas Glicke,
der Werfel hatte uft seine Ticke.
*****
Do gabs Guedes zu assa,
die Mohkliessla darf ma do niech vergassa.
Der Sträselkucha, der Strietzel und och die Baba,
do kunnt ma sich su richtich dran laba.
*****
Das Schlachtfest im Winter, nee weeste,
war feer miech immer das Greeste.
Daas Wellflesch, die Wellworscht su frisch
aus dem Kessel, dass schmeckte,
dass ma alle Finger sich leckte.
Denn schlesisches Assa, du konnst mersch globa,
wurde immer ei a Himmel gehoba.
*****
Vergessa war ich nie das Hemteland,
dort wu jeda Weeg und Boom ich gekannt,
Doo war ich derheme, wu rauscht no der Puusch,
doch sunnst is alles anders gewun.
*****
Und wenn einst vum Himmel
ich guck uf das Land,
do bin iech zufrieden ei Gotes Hand,
und guck iech ang westlich,
do sah iech zum Glicke,
o no vo Schwege a ganzes Sticke.
*****
Die Hemte zu schätza, su wie sie war,
wes mestens nur der, der sie verlar.
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(Dieses Gedicht von Gertrud Dombrowski, Weigelsdorf (Schwege),
wurde dem Heimatausschuß "Kirchspiel-Weigelsdorf",
anlässlich des 1. zentralen Heimattreffen 1986 ,
zur Verfügung gestellt.)
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3.) Protokolle/Kirchenvorstand Weigelsdorf
Sitzungs-Protokolle des Kath. Kirchenvorstandes
zu Weigelsdorf b. Münsterberg, Krs. Frankenstein.
( nach handschriftlichen Originalen)
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Kath. Kirchenvorstand . Verhandelt: Weigelsdorf, den 23. Juli 1922
Anwesend sind: Der Vorsitzende: Erzpr. Lehnert
Die Mitglieder: Josef Müller, Robert Finger,
Buhl, Siebner, A.Vogel, Paul Hoffmann,
Mit Entschuldigung fehlt: Jos.
Spittler,
7 von 8 beschlussfaähig.
Durch Einladung vom 19. Juli d.J. hatte der Vorsitzende Pfarrer Lehnert
die Mitglieder des Kirchenvorstandes zu einer Sitzung für heute vorm.
10 Uhr in`s Schulhaus unter Angabe der Tagesordnung eingeladen.
Erschienen waren die Obenbezeichneten. Die Versammlung ist beschluss-
fähig, die Einladungen werden anerkannt. Eröffnung der Sitzung
vorm. 10.50 Uhr.
Betrifft: Ausgaben für die elektrische Leitung in Kirche und Pfarrhaus u.zwar:
a) für die Kirche 1849 Mk., um 90 Mk. ermäßigt gegen den Anschlag (1939 Mk)
b) für das Pfarrhaus 1611 Mk., um 60 Mk. erhöht gegen den Anschlag (1551 Mk.)
Dazu 1000 Mk. erste Rate zum Baukostenzuschuß an die Elektrizitäts-
Genossenschaft, Weigelsdorf, zusammen 4460 Mk. Dieer Betrag soll inner-
halb der Kirchensteuer für 1922 als Umlage erhoben werden. 2 Kostenan-
schläge, 2 quittierte Rechnungen und 1 Bescheinigung sind beigefügt.
Insgesamt sind erforderlich: a) für Baukostenzuschuß und b) Geschäfts-
anteile 5460 Mk., bei 26 Geschäftsanteilen für Kirche und Pfarrhaus
zu a) je 200 Mk. = 5200 Mk., zu b) je 10 Mk. = 260 Mk. zus. 5460 Mk,
davon 1000Mk. wie oben gedeckt werden.
Der Rest soll durch ein Darlehen von 4460 Mk. bei der Weigelsdorfer Dar-
lehenskasse gesichert und dieser Schuldbetrag durch Sammlungen und
Umlagen verzinst und in den kommenden Jahren allmählich getilgt werden.
Bewilligung erfolgt einstimmig. v. g. u.
gez. Lehnert, gez. Müller, gez. Hoffmann, gez. Siebner, gez. Vogel
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Verhandelt: Weigelsdorf, den 23. Juli 1922
Kirchl. Gemeindevertretung: anwesend sind:
Vom Kirchenvorstand: Pfarrer Lehnert
Der Vorsitzende: Paul Henkel,
Die Mitglieder: Gubert, Josef Grosser, Jüschke,
Josef Vogel, Paul Spittler,
Kneifel,
Emil Müller, Vogt,
9 von 18
beschlussfähig.
Durch Einladung vom 19. Juli d.J. hatte der Vorsitzende Rentner Henkel
die Mitglileder der kirchl. Gemeindevertretung zu einer Sitzung für heute,
Sonntag in`s Schulhaus unter Angabe der Tagesordnung eingeladen.
Erschienen sind die Obenbezeichneten. Versammlung ist beschlußfähig.
Eröffnung durch den Vorsitzenden vorm. 10 Uhr, 30 Min.
Die Einladungen werden anerkannt.
Die Umlagebeschlüsse betreffend Kosten für die elektrische Leitung für
Kirche und Pfarrhaus werden nach dem Beschlusse des Kirchenvor-
standes von heute einstimmig bewilligt, bzw. die Beschlüsse im
gesamten Umpfange. v. g. u.
gez. Lehnert, bzw. Henkel, gez. Gubert, gez. Emil Müller.
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Die Richtigkeit der Abschrift beider Beschlüsse wird amtlich bescheinigt:
Weigelsdorf, den 30. Juli 1922
Der katholische Kirchenvorstand:
gez. Lehnert, Pfarrer, Vorsitzender
gez. Müller, Mitglied
gez. Hoffmann, Mitglied
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Bericht: M.Klemenz, 08.01.2010
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