24.08.2011
* * * * * * *
Erklärungen:
Investitur: (en) = Einweisung / Einsetzung in ein Amt. Parochie: = Pfarrei - Nach Kirchenrecht der unterste, selbständige, räumlich oder personal abgegrenzte Seelsorgebereich. Archipresbyterat: = Amtsbereich eines Erzpriesters Archipresbyter: = grich. Erzpriester. Tradition: = Überlieferung / Althergebrachtes weitergeben - Übergabe. Traditionsverhandlung: = Übergabeverhandlungen zwischen abgehender
und übernehmender Amtsperson. Inventarium: = Auflistung umfassend Kirche, Pfarrei, Küsterei und sonstige
kirchliche Einrichtungen.
* * * * * * * * * * * * * * * * * * * *
Investituren ab 1872 in der Parochie Weigelsdorf, Archipresbyterat Mün-
sterberg , Kreis Münsterberg / Frankenstein, Reg. Bez. Breslau /Schlesien.
Bis zur Säkularisation der Klöster 1810 wurde Weigelsdorf mit Ordensgeistlichen von
Kloster Heinrichau versorgt, z.T. in Verbindung mit der benachbarten Stifts-
pfarrei Berzdorf. Nach der Säkularisation war der erste Pfarrer von Weigelsdorf der
frühere Zisterzienserpater von Heinrichau, PIUS JOKISCHMANN. Er wirkte
von 1809 bis 1816 als Pfarrer in Weigelsdorf und starb am 15. April 1816
in tiefem Gram über die böswillige Verkennung im Zusammenhand mit
der Stiftung seines eigenen Vermögens für die durchgeführte Reno-
vierung der Kirche im Jahre 1812. Seine Grabsteinplatte wurde
in die südliche Wand der Kirche eingelassen, und ist auch heute noch vorhanden.
* * * * * * *
Ihm folgte als Pfarrer der Parochie Weigelsdorf KONSTANTIN GLOGER, der Neffe des letzten Heinrichauer Abtes.
Geboren 1780 empfing er 1805 die Priesterweihe.
Er war zunächst Vikar in Berzdorf, bis ihm 1816 die Pfarrei Weigelsdorf über-
tragen wurde. Am Tage seines 50-jährigen Priesterjubiläums, also am
8. Jubi 1855 trat er von seinem Amt zurück und lebte danach im
Ruhestand auf dem Pfarrgütel, einem 40 Morgen großen An-
wesen, direkt am Pfarrhof gelegen, daß er erworben hatte,
und der Pfarrei vererbte.
Am 1. Juni 1864 starb er als letztes Mitglied des ehemaligen Zisterzienserstiftes
Heinrichau. Sein Grabmal, ein großes Marmorkreuz, stand neben dem
Missionskreuz vor der Südwand der Weigelsdorfer Kirche.
* * * * * * *
Sein Neffe AUGUSTIN GLOGER folgte ihm als Pfarrer von Weigelsdorf. Nach
16 Amtsjahren verstarb er am 21. Oktober 1871
* * * * * * *
Sein Nachfolger wurde am 21. März 1872 Pfarrer EDUARD HIMMEL, geb. 1829 in Puschine bei Friedland/OS wurde er 1853 zum Priester geweiht. Nach Kaplans-
jahren in Gleiwitz war er Militärgeistlicher und ab 1867 Regierungs- und
Schulrat in Posen. Seine
Amtszeit in Weigelsdorf endete am
15. Oktober 1890 durch Versetzung nach Gr. Glogau.
Über seine Investitur exestiert folgendes Schreiben:
Breslau, 17. April 1872, Fürstbischöfliches General Vicariat Amt.
An Herrn Erzpriester Pantke, Hochwürden, zu Heinrichau (Nr. 4316)
Was sich in Betreff der unterm 3 ten überreichten Weigelsdorfer Traditions-Verhandlung zu bemerken gefunden, wollen Euer Hochwürden aus den umstehend mitgeteilten Notaten entnehmen und für deren Erledigung binnen vier Wochen Sorge tragen. (Unterschrift ) Abschrift per 22.4.72: Zu der Traditionsverhandlung Weigelsdorf den 21.3.72 und deren Beilagen ist nur zu bemerken:
Zur Verhandlung: 1. Zur Prüfung der in der Stückrechnung vorgetragenen Bestände sind sämtliche
Jahres-Rechnungen resp. Rechnungen pro 1871 baldigst einzureichen.
2. Ein Teil der übergebenen Barbestände ist baldigst zinsbar anzulegen.
3. Die Einreichung der Administrations-Rechnung dürfte innerhalb 4 Wochen zu erwarten sein.
4. Zur Zeit sind noch weiter zu beantworten, die Notate 4 und 8 zur Tradition vom 15.11.v.J.
Unter die noch erforderten Berechnungen wolle der neue Herr Benefizat seine Zustim-
mung vermerken und angeben, ob die Erben des früheren Herrn Benefiziaten die Diffe-
renz -Summe aus der Auseinandersetzung bezüglich der Aussaat gezahlt haben.
Zum Pfarrinventar: 5. Es ist anzugeben, ob die zur Consumition bestimmten Natura-
lien als: 28 Schff. Korn, 19 Schff. Gerste, und 39 Schff. Hafer von den Glogerschen
Erben in natura abgeliefert sind.
Zum Registratur-Verzeichnis: die noch vorhandenen losen Piecen (Stücke) sind zu den Akten zu heften.
(Gleicher Brief) Herrn Administr. Handlos, Hochwürden, zur gefälligen Kenntnisnahme.
Heinrichau d. 21. Apr.1872, Pantke
* * * * * * *
Am 15. Oktober 1890 übernahm Pfarrer JOSEPH GINELLA , bisher Pfarrer von Spandau , die Weigelsdorfer Pfarrei. In seiner Amtszeit wurde der Kirchhof 1892 - 1894 erweitert. Bereits nach 4 Jahren endete seine Tätigkeit in Weigelsdorf und am 14. November 1894 wurde er nach Jauer versetzt. ***************************************
(Zur Investitur ): Breslau, den 11. September 1890. Fürstbischöfliches General- Vicariat-Amt. (Nr. 9111) An den Actuarius Circuli Herrn Pfarrer Werner, Hochwürden zu Bärdorf. Ew. Hochwürden benachrichtigen wir hierdurch, daß Sn. Fürstliche Gnaden, der Hochwürdigste Herr Fürstbischof dem bisherigen Pfarrer Herrn Joseph Ginella zu Spandau, die erledigte Pfarrei
zu Weigelsdorf verliehen haben. In dem wir Ihnen die diesbezügliche
Investitur-Urkunde nebst der Admonition übersenden,
beauftragen wir Ew. Hochwürden, aufgrund der ebenfalls beiliegenden Commissoriale die Investitur zu vollziehen, und dem Pfarrer Ginella die Pfarrei vorschriftsmäßig zu
übergeben, wobei wir auf das Schema zur Verordnung Nr. 191. VIII mit dem Bemerken aufmerksam
machen, daß dessen Abschnitt VI z.Z. nur als Anleitung zu einer Kasssenrevision zu dienen hätte.
Über den Act aufzunehmenden Verhandlungen nebst den Kirchen- und Pfarr-Inventarien sowie die
Investitions-Gebühren im Betrage von 200 M sind binnen 6 Wochen nach der Investitur
an uns einzusenden. Von der erfolgten Investitur ist uns sofort besondere Anzeige zu machen.
Unterschrift: ( Gleich )
*******************************************
Weigelsdorf, den 15. October 1890 -Verhandelt - Protokoll über die den 15. Oktober d.J. s
tattgefundene Investitur des bisherigen Pfarrers von Spandau, Herrn Joseph Ginella,
als Pfarrer von Weigelsdorf, Archipresbyterat Münsterberg. (Nr.9111)
Dem hohen Auftrage seines Hochwürdigen Fürstbischöflichen General-Vicariat-Amts vom
11. September 1890 Nr. 9111, den bisherigen Pfarrer von Spandau, Herrn Joseph Ginella als Pfarrer
von Weigelsdorf zu investieren, kam der Endunterzeichnete in nachstehender Weise an dem heu-
tigen Tage nach. In Gefolgschaft der Anwesenden wurde Introducendes zur Kirche geführt und
nach Verrichtung der in der Agenda quaod introductionem novi plebani vorgeschriebenen Gebete
an der Kirchtüre, demselben die Kirchenschlüssel und bei Eintritt in die Kirche die Stola
überreicht.Vor dem Hochaltare angelangt, legte derselbst Herr Pfarrer Ginella genau nach Vorschrift
in Gegenwart der unterschriebenen Zeugen die "professie Fides" ab und gelobte, dem Hochwür-
digsten Herrn Fürstbischof G e o r g und dessen Nachfolgern allzeit gebührende Ehrfurcht und
schuldigen Gehorsam zu leisten. Nachdem anschließend noch die hochamtlich vorgeschriebene
"Admonitio defidelitate Serenissimo Regi servanda" von dem Endunterzeichneten deutlich vor-
gelesen worden und paroctus die Versicherung gegeben hatte, daß er diese Admonitio wohl be-
herzigt habe und gewissenhaft befolgen werde, wurde derselbe als nach kirchlicher Vorschrift investierter Pfarrer von Weigelsdorf proklamiert und ihm die Investitur sowie das vorerwähnte Admonitions-Formular überreicht. Nach einer Ansprache von dem investierten Pfarrer nun
an die versammelte Gemeinde wurde die Feierlichkeit mit Te Deum und Hl. Segen geschlos-
sen. Die Investitur-Gebühren im Betrag von 200 Mk werden baldmöglichst eingesendet.
v. g. u.
Ginella, Pfarrer A. Roesner, Pfarrer Himmel, Erzpriester Grosher, Gemeindevorsteher Werner, Act.Ciri. Pfarrer von Baerdorf *********************************
Weigelsdorf, den 15. October 1890. Verhandlung über die den 15. October 1890 erfolgte
Tradidition der Pfarrei Weigelsddorf, Kr. Münsterberg (Ac:9111 ) (Auszug ! )
In Erledigung des Auftrages des Fürstbischöflichen General-Vicariat-Amtes in Breslau
vom 11. September 1890 Nr. 9111 stand heute zur Übergabe der Parochie Weigelsdorf
an den bisherigen Pfarrer von Spandau Herrn Joseph Ginella Termin an. Infolge
vorangegangener Benachricchtigung wurden anwesend getroffen:
1.) Der abgebende Herr Pfarrer Himmel als Übergebender
2.) Der Herr Pfarrer Ginella als Übernehmer
Die Kirchenvorsteher: Stellenbesitzer Ferdinand Kynast
Bauenauszügler Franz Finger
Von der Gemeindevertretung: Oberamtmann Grosser, Tschammerhof
Bauerngutsbesitzer Carl Siebner Das hiesige Pfarr-Benefizium ist erledigt durch Versetzung des Pfarrers nach Gr. Glogau. Der Herr Übernehmer ist mittels Dekrets vom 2. September 1890 Nro.4355 zum Pfarrer von Weigelsdorf ernannt. Derselbe hat die diensteiligen Amtsgeschäfte an dem heutigen Tage
übernommen. Es wurden nunmehr übergeben:
I.) Die kirchlichen Gebäude: 1.) Die Pfarrkirche hierselbst und deren Pertinenzstücke, 2.) Die Kapelle in Eichau nebst Pertinenzstücke, 3.) Der Kirchhof: ist Eigentum der Kirche.
Bauzustand der Kirchen- und der Umfassungsmauer des Kirchhofes ist gut. II.) Pfarrliche Gebäude und Grundstücke: 1.)Das Pfarrhaus: dasselbe ist 2-stöckig,
enthält 7 heizbare Zimmer.2.) Stallungen: für 20 Stück Rindvieh und für 6 Stück Pferde
nebst einem besonderen Schwarzviehstall. 3.) Die Scheuer mit 2 Tennen und 3 Bansen
4.) Der circa 1 hr 35 Ar große Garten, zum Teil als Grasgarten und als Obstgarten. Hin-
sichtlich des Bauzustandes an den Gebäuden wird bemerkt, daß größere Reparaturen bei
der Königlichen Regierung beantragt und genehmigt worden sind. 5.) Die pfarrliche Wied-
muth ist in dem Inventar-Verzeichnis A.u.B genau verzeichnet.
Laut speziellem Nachweis in dem Inventar-Verzeichnisse C wurden die Kosten für die
noch anstehende Ackerbestellung /Tit II, 3-8 unter Zuziehung von 3 sachverständigen Landwirten normiert und berichtigt und die fehlenden Inventurstücke von dem abgehenden Herrn Benefiziaten vergütet, so daß Herr Pfarrer Ginella die Vollständige Übergabe bestä- tigte, und erklärte, Ansprüche an den Herrn Antecessor nicht mehr zu haben. Zu dem Proto-
kolle wurde noch eine General-Kapitals-Nachweisung übergeben und hierauf
dasselbe geschlossen.
v.
g.
u.
Himmel
Ginella
Grosher, Finger, Siebner, Kynast, Vollzogen: Werner, Erzpriester
**********************************
Breslau, den 18. Juli 1891. Fürstbischöfliches General-Vicariat-Amt No. 1857
An den Erzpriester Herrn Werner, Hochwürden, Bärdorf.
Euer Hochwürden gereicht hierdurch zum Bescheide, daß sich bei Prüfung der Tradi-
tions-Verhandlung von Weigelsdorf nebst Beilagen Nichts zu erinnern gefunden hat.
i.V. (Unterschrift )
* * * * * * *
Ihm folgte am 14. November 1894 Geistlicher Rat, Pfarrer JOHANNES LEHNERT,
geboren 1860 in Krotfeld Krs. Leobschütz. Am 27. Juni 1885 empfing er von Fürstbischof
Robert Herzog in Breslau die Priesterweihe. Nach Tätigkeit als Kaplan wurde er im
November 1889 Pfarrer von Coeslin in Pommern. Hier in der Diaspora wirkte er
5 Jahre bevor er Pfarrer von Weigelsdorf wurde.Eine seiner ersten Amtshandlungen war die Einsegnung des erweiterten Kirchhofes. Er setzte sich bereits im Jahre 1900 für die Errichtung einer Niederlassung der Marienschwestern aus dem Mutterhaus Breslau in seiner Pfarrei ein, und die Eröffnung des Schwesternhauses erfolgte am 6. Mai 1909. Am 31. März 1931 verstarb Geistlicher Rat, Erzpriester Johannes Lehnert nach langer Krankheit. Vom 1. April 1931 bis 15. Juli 1931 wurde die Parochie Weigelsdorf von
ERZPRIESTER HOFFMANN, Berzdorf, administriert.
************************************
Breslau, den 19. Oktober 1894. Fürstbischöfliches General-Vicariat-Amt (Nr.11838)
An den Erzpriester Herrn Roesner Hochwürden zu Münsterberg.
Ew. Hochwürden benachrichtigen wir hierdurch, daß Se.Eminenz der Hochwürdigste Herr
Cardinal und Fürstsbischof, dem bisherigen Pfarrer Johannes Lehnert in Cöslin die erledigte
Pfarrei Weigelsdorf verliehen haben. In dem wir Ihnen die diesbezügliche Investitur-Urkunde
nebst der Admonition übersenden, beauftragen wie Ew. Hochwürden auf Grund des ebenfalls
beiliegenden Commissoriale die Investitur zu vollziehen und dem p. Lehnert die Pfarrei
vorschriftsmäßig zu übergeben, wobei wir auf das Schema zur Verordnung Nr. 191 VIII
mit dem Bemerken aufmerksam machen, daß dessen Abschnitt VI z.Z. nur als Anleitung
zu einer Kassenrevision zu dienen hätte.
Die über den Act aufzunehmenden Verhandlungen nebst den Kirchen- und Pfarr-Inventarien sowie die Investitur-Gebühren im Betrag von 200 Mark sind binnen 14 Tagen nach der Investitur an uns einzusenden, auch von der erfolgten Investitur uns alsbald
Anzeige zu erstatten. Unterschrift: (Gleich)
*******************************************
Weigelsdorf, den 14. ten November 1894, bei Münsterberg - Verhandelt -
Übergabe-Protokoll der Pfarrei Weigelsdorf, Archipresbyt. Münsterberg.
In Erledigung des Auftrages Euer Hochwürdigen Fürstbischöflichen General
Vicariat Amtes d.d.Breslau, den 19 ten October 1894 Nr. 11838 a stand heute zur Über-
gabe der Pfarrei Weigelsdorf an den bisherigen Pfarrer von Coeslin, Johannes Lehnert, Termin an.
Infolge vorangegangener Benachrichtigung wurden anwesend getroffen.:
1.) Der abgehende Pfarrer Josef Ginella, als Übergebender,
2.) Der Pfarrer Lehnert, als Übernehmer,
3.) Die Kirchenvorsteher: Bauerngutsbesitzer Jos. Müller,
Bauerngutsbesitzer Josef Spittler
Stellenbesitzer
Ferd.Kynast
Bauerauszügler
Aug. Pohler
und
Franz Finger
4.)Von der Gemeindevertretung : Oberamtmann Grohser, aus Tschammerhof
und Bauergutsbesitzer Anton Vogel.
Das hiesige Pfarrbenefizium ist erledigt durch Verstzung des Pfarrers Ginella nach Jauer.
Der Herr Übernehmer ist mittels Decret vom 19 ten Oktober 1894 zum Pfarrer von
Weigelsdorf ernannt. Derselbe hat die dienstlichen Amtsgeschäfte am heutigen Tage übernommen.
v. g. u.
Unterschriften: Ginella, als Übergebender. Lehnert, als Übernehmer
Müller, Pohler, Kynast, Spittler, Vogel.
* * * * * * *
Weigelsdorf, den 23.11.94 - Lieber Pater Roesner!
Der Kirchhof ist fertig und harrt der Einsegnung. Im Pfarrhaus herrscht peinliche Unge- mütlichkeit. Wollen Sie zur Einsegnung des Kirchhofes kommen, und zugleich visitieren,
so wäre es mit lieb, einen Tag in der ersten Adventwoche recht bald zu erfahren, damit ich
vorbereitet bin, wenn nicht, damit ich noch Aufschub erbitten kann. Ich kann Ihnen allerdings nur das Zimmer anbieten, in dem jetzt der Ofen gesetzt wird,
in den anderen Zimmern geht die Arbeit nächstens los. Das Inventar ist hier elender Plunder.
Das wird noch einen schönen Briefwechsel geben. Heute habe ich mir an einem Paar wurmstichigen, fauligen Eggen, die auseinanderfielen und auf meinen Kopf stürtzten, ein Paar richtige Beulen geholt.
Wenn etwa in Kürze der Convent sein sollte, sagen Sie dem Cappelanus, er soll mir eine
Karte schreiben, daß ich mich danach richte. Wegen des Einführungsprotokolls nächstens.
Es grüßt bestens Ihr ergebener Lehnert, Pfr
.
* * * * * * *
Breslau, den 6. Mai 1895. Fürstbischöfliches General-Vicariat-Amt (No.655 )
An den Erzpriester Herrn Roesner, Hochwürden zu Münsterberg.
Euer Hochwürden gereicht hierdurch zum Bescheide, daß sich bei Prüfung der mittels
Berichts vom 14. Januar dJ. eingereichten Traditions-Verhandlung von Weigelsdorf
nebst Anlagen nichts zu erinnern gefunden hat. Wegen der zinstragenden Anlegung des
für das nicht in natura vorhandene resp. übergebene Pfarrbeilass von dem Herrn Pfarrer
Ginella gezahlten Kapitals von 3677 M 30 f haben wir besondere Verfügung an Herrn Pfarrer Lehnert erklassen
Unterschrift: Speil *******************
Am 15. Juli 1931 übernahm Pfarrer Alfons Gloger, geb. am 8. Juli 1890 in Lindenau O/S die Pfarrei
Weigelsdorf. Er wurde am 10.. Juni 1917 von Hochw. H. Kardinal Bertram in Breslau zum Priester geweiht. Er war bis dahin Kreisvikar in Neustadt/OS. Seit 1940 hatte er auch das Amt des Dekanatserzpriesters des Archiprespyterates Münsterberg inne. Am
18.April 1946 - Gründonnerstag - mußte er sich von einem Großteil seiner Gemeindemitglieder, die sich vor der Kirche zur Vertreibung versammeln mußten, verabschieden. Er selbst mußte im August 1946
seine Pfarrei verlassen und fand in Mascherode b. Braunschweig eine neue Bleibe.
Erzpriester und Pfarrer Alfons Gloger verstarb am 3. November 1954 im Alter von
erst 64 Jahren, und fand, fern seiner Pfarrei Weigelsdorf, auf dem Friedhof in Braunschweig,
seine letzte Ruhe. Mit seinem Tode endete die fast 700-jährige Chronologie der Pfarrer
von Weigelsdorf bei Münsterberg, Krs. Frankenstein, Schlesien.
**********************************
Breslau, den 3. Juli 1931. Erzbischöfliches General-Vikariat-Amt ( Nr. 13364
An Herrn Pfarrer Kliche, Hochwürden zu Bärdorf.)
Ew. Hochwürden benachrichtigen wir, daß Se. Eminenz der Hochwürdigste Herr
Kardinal und Fürstbischof Herrn Kreisvikar G l o g e r in Neustadt OS die erledigte
Pfarrei Weigelsdorf verliehen haben.
( Es folgen nun Ausführungsbestimmungen und div. Anweisungen für die Investitur)
Originaltext: Die über die Pfarreiübergabe aufzunehmende Verhandlung ist mit den
Beilagen (Inventarverzeichnisse, Kassenabschlüsse, Kapitalnachweisungen usw.)
binnen vier Wochen
nach der Übergabe an uns einzusenden. Von der erfolgten
Investitur ist uns
sofort Anzeige zu erstatten unter Einreichung des Protokolls und
der follzogenen forma juramenti de sinceritate fidei und der Erklärung hinsichtlich
der
Haushaltsführung. Gleichzeitig sind die Investiturgebühren im
Betrage von 200 M
- sind bezahlt - zu entrichten. ( Unterschrift)
**************************************************************
Weigelsdorf, den 15. August 1931 - Zusatz zum Übergabe-Protokoll -
A. Gloger, Pfarrer. In Ergänzung des Übergabe-Protokolls vom 15. Juli 1931
gelegentlich meiner Einführung als Pfarrer von Weigelsdorf gemäß G.V.A. Nr. 13364
vom 3. Juli,
ausgeführt am 15. Juli 1931 wird folgendes zusätzlich
bemerkt:
Es wurde Übergeben:
I.) Die Kirchlichen Gebäude und Grundstücke und Beilass:
1.) Die Pfarrkirche hierselbst nebst anliegendem Friedhof und deren Pertinenz-
stücke, eingetragen in das Grundbuch von Weigelsdorf als Eigentum der kath. Pfarr-
kirche von Weigelsdorf unter Band VI, Blatt 174. Der Bauzustand der Kirche und der
Umfassungsmauern des Kirchhofes ist gut. Der Friedhof, alter und neuer Teil, umfasst
59,74 a. Grabstellengelder fliessen in die Kirchenkasse.
2.) Die Kapelle in Eichau nebst Pertinenzstücke: eingetragen für die Gemeinde
im Grundbuch von Eichau, Band IV, Blatt 116. Die massiv mit einem hölzernen Turm
auf der Dorfaue erbaute
Kapelle, neu instandgesetzt, besitzt keine Grundstücke. Sämt-
liche Schlüssel nahm der
neue Pfarrer an sich. Kirchenacker ist nicht vorhanden.
II.) Pfarrliche Gebäude und Grundstücke:
a.) Das in Band VIII Blatt 220 als Eigentum der Kath. Kirchengemeinde (Pfarrei)
im
Grundbuch von Weigelsdorf eingetragene Pfarrgehöft und Widmut
mit:
1.) Pfarrhaus, welches zweistöckig ist und 7 heizbare Zimmer hat
2.) Stallungen für 20 Rinder, für 6 Pferde, nebst Schwarzviehstall,
3.) Scheune und zwei Tennen und drei Bansen,
4.) Schuppen, Backhaus, Wagenremise, Holzstall und Schüttboden.
5.) Keller (Erdkeller). Alle diese Gebäude sind massiv und in befriedigendem
Bauzustand. Kleinere Reparaturen werden in die Wege geleitet.
6.) Das Widmut-Grundstück, bestehend 34 ha 89 a und 60 qm Fläche, wovon
benutzt werden: Als Acker: 27 ha 50 a, als Wiese: 2 ha 23 a, als Wald: 3 ha 58 a,
als Pfarrgarten: 86 a.
Die pfarrliche Widmut ist verpachtet an 12 Pächter; die Pachtverträge sind vom
G.V.A.
genehmigt und laufen bis 30 September 1931. Der Pachtertrag beträgt
gegenwärtig im Jahr 3039 Mk. Das vom verstorbenen Erzpriester Constantin
Gloger der Kirche als Fundationsvermächtnis zugewiesene, vom jeweiligen Pfarrer
zu nutzende Grundfstück Nr. 61, Weigelsdorf, eingetragen für die kath. Kirche zu
Weigelsdorf im
Grundbuch von Weigelsdorf Band II Blatt Nr. 61, in einer
Größe
von 11 ha 60 qm wovon benutzt wird: Als Acker: 8,43
ha, als Wiese: 0,55 ha, als
Garten: 0,49, der Rest als Hofraum. Zum Grundstück Nr. 61 gehören:
a.) ein Wohnhaus mit 2 heizbaren Stuben,
b.) ein zweites Wohnhaus mit Stallung und 2 heizbaren Stuben,
c.) eine massive Remise und ein Holzstall.
Die Wohnungen sind an 4 Mietsparteien vermietet, der Acker an 9 Pächter
verpachtet; die Pachtverträge sind vom G.V.A.- im Jahre 1926 bzw. 1929
genehmigt, und laufen bis 1. Oktober 1931. An Reinertrag bringt
dieser sogenannte
Pfarrgütel 697,00 RM. Die
Gebäude sind in wenig befriedigendem Zustand.
d.) Das im Grundbuch von Ohlgut, Band II, Blatt 84, als Eigentum von Pfarrei
Berzdorf und Weigelsdorf eingetragene Ohlgut in einer Grösse
von 2,6,30 ha.
Eigentümer dieses Grundstücks, das aus der Klosterzeit stammt, ist zu 2/3 die
Pfarrei zu Berzdorf und zu 1/3 die Pfarrei Weigelsdorf. Es ist an
die Pfarrei
Berzdorf verpachtet.
e.) Das im Grundbuch von Weigelsdorf Band IV, Blatt Nr. 105 eingetragene Grund-
stück, Häuslerstelle Nr. 93, in der Grösse von
1,95 ha, 10 qm, mit 41,10 RM Rein-
ertrag und 30 MK Nutzungswert. Als Eigentümer ist
eingetragen: Die Kath. Kir-
chengemeinde (Pfarrei) zu Weigelsdorf. Dieser sogenannte Weigmannacker ist an
einen Pächter verpachtet.
III.) Der Pfarrbeilass, bestehend aus Schreibsäkretär, Aktenschrank für Pfarrakten.
(Der im
Übergabeprotokoll vom 15. Juli erwähnte Tisch ist
Privateigentum). Sämt-
liche wirtschaftlichen Vorräte, Heu, Getreide, Spreu sind nach der Übernahme durch
meinen
Vorgänger im Jahre 1894 mit Genehmigung vom G.V.A. verkauft und
der
Erlös hierfür sowie für die anderen nicht mehr
vorhandenen Inventarstücke in Wert-
papieren angelegt worden.
IV.) Die zum pfarrlichen Archiv bzw. Registratur gehörigen Bücher, Akten, Urkunden
und
sonstigen Gegenstände: Diese Akten müssen erst geordnet und
geheftet werden,
und in einem besonderen Verzeichnis
zusammengestellt werden, eine ungeheuere,
zeitraubende Arbeit,
weshalb ich die Frist von 6 Monaten für die Aufstellung eines
Inventars und Aktenverzeichnisses erbeten habe.
V.) Die küsterlichen Gebäude und Grundstücke:
a.) Küsterschule (ohne Grundbuchnummer) Umfassend: Wohnhaus mit 4 Klassenzim-
mern, 2 Lehrerwohnungen, (Erdgeschoss und Obergeschoss) nebst 2
Giebelstuben
zur Erdgeschosswohnung gehörig.
b.) Wirtschaftsgebäude: Stallung, Scheuer, Aborte, Holzstall.
c.) Hofraum mit Garten in Grösse von 14 a (Nr. 120 K.Bl.6)
d.) Hofraum (Gärtchen an der Kirchhofsmauer) 4,40 a (Nr. 102 K.Bl.1)
e.) Wiese, Nr. 142 K. Bl.6) 38,30 a, (Grundbuch Band VIII. Blatt 221)
f.) Gartenwiese Nr. 136 Bl. 6: 19,70 a,- a.) bis f.) gehören nach Vereinbarung zwischen
Kirchenvorstand und Schulvorstand vom 6. Februar 1927 zur
Küsterei.(Kath. Kir-
chengemeinde ) Um die grundbuchliche Eintragung der Küsterschule schwebt gegen-
wärtig der Prozess zwischen Kirchenvorstand und Schulverband zu Weigelsdorf, wo-
von G.V.A. Kenntnis hat. Die Nutzniessung der
Küsterlichen Gebäude und Grund-
stücke steht dem Hauptlehrer zu, der auch Küster und Organist ist. Das Schwestern-
haus ist kein kirchliches Grundstück.
VI.) Kassen-Verwaltung:
Die
kirchlichen Rechnungen pro 1929 und 1930 fertigt der bisherige
Administrator,
Herr Erzpriester Hoffmann, Berzdorf, an, der sie, sobald er die fehlenden Belege
gefunden
hat, einsenden wird. Infolgedessen konnte auch die Abrechnung mit den
Erben des verstorbenen Geistl. Rat. Pfarrer Lehnert noch nicht stattfinden.
Ein
Kassenschrank existiert nicht in der Pfarrei, die Schlüssel
für den in die Mauer
eingebauten, geheimen Tresor führt der Pfarrer, der sich auch von der Vollständig-
keit und
Richtigkeit der übergebenen Gelder überzeugt hat.
Ergänzend füge ich dem Übergabeprotokoll vom 15. Julicr. die Erklärung des Über-
nehmers bei: Ich verpflichte mich bezw. meine Erben bzw. Rechtsnachfolger bei mei-
nem
dereinstigen Abgange von hiesiger Pfarrei mit letzterer mich lediglich
nach den
mir
genau bekannten Diözesan-Vorschriften, wie solche in den
gedruckten Verord-
nungen
des Fürstbischöflichen Generalvikariat-Amtes Breslau
Nr. 15 III, 77V,
109 VIII. festgestellt, auseinanderzusetzen.
Weigelsdorf, den 15. August 1931 A. Gloger, Pfarrer
Kliche, Erzpr.
Dass obige Abschrift mit dem Original übereinstimmt, wird hiermit amtlich bescheinigt.
Bärwalde, den 15. August 1931 Kliche, Erzpr.
* * * * * * * * * * * *
( Nach Original-Unterlagen der
Pfarrei Weigelsdorf, b. Münsterberg /Schles.)
( M.Klemenz, 1/2011 )
********************************************************
|
|