25.07.2011

      *  *  *  *  *  *  *
Von der Erweiterung des Kirchhofes von Weigelsdorf b. Münsterberg         ***           1892 – 1894

Beim Amtsantritt eines neuen Pfarrers wurde jeweils eine „Nachweisung des Inventari zum Zwecke der Tradition“ erstellt, die von dem bisherigen Pfarrer als Übergebender, seinem Nachfolger als Übernehmer, sowie Vertretern des Kirchenvorstandes unterschrieben wurde. Am 15. Oktober 1890 übernahm Pfarrer Josef Ginella die Pfarrei Weigelsdorf und über den Kirchhof  berichtet die Nachweisung wie folgt: (Lt. Original)
„Der Kirchhof ist mit einer Steinmauer umgeben ca. 220 Schritte lang, 120 Schritte breit. Zwei massive, 1883 errichtete Fronleichnams-Stationen befinden sich im inneren Raume mit der Mauer einheitlich verbunden. Grabstellengelder werden nur von bevorzugten Plätzen erhoben, als solche die Stellen vor  der Kirche gelten, und zwar 3 M  bei erwachsenen Leichen und 1,50 M bei Kinderleichen. Für Denkmäler wird nach der Stola bezahlt.(?) Auf einem kleinen Raume an der Nordseite des Kirchhofes werden seit  undenklicher Zeit die Leichen der im Pfarrbezirk wohnenden Protestanten beerdigt, mit Ausnahme derer von Tschammerhof, Münchhof und Schönharte, die nach Schreibendorf gehören“.
In den Jahren 1892 bis 1894 wurde der Kirchhof erweitert. In die erforderlichen Grundstücksverhandlungen schaltete sich sogar der Fürstbischof von Breslau ein, wie aus dem nachfolgenden Brief ersichtlich ist:  
                                                                                                                   
(Siegel) CURIA EPALIS WRATISLAVIEN  -  Johannesberg, den 22.September 1892  - An den Herrn Erzpriester Werner, Hochwürden,
Neu-Altmannsdorf (G.K. 5851).(Original)

Euer Hochwürden erachten wiederholt die Erweiterung des Kirchhofes in Weigelsdorf um nur 11 Ar 77 qm für zu gering und erwähnen, daß die Eigenthümerin sich zu dem Verkaufe bis zu einem Morgen verpflichtet habe. Der Kirchenvorstand berichtete am 14. v. Mts., daß die Nachbarin den Verkauf der größeren Fläche als 11,77 Ar verweigere. Vorausgesetzt, daß Euer Hochwürden vorerst sich über den Zweifel vergewissern, ob nach der Planierung des hügeligen Landes die gesetzliche Grabestiefe allerorts noch vorhanden sein würde, ersuche  ich Euer Hochwürden, Ihrerseits mit der Nachbarin zu verhandeln, sie auf obige Verpflichtung hinzuweisen, und nötigenfalls ihr, wenn der Kirchenvorstand hoffentlich zustimmt, einen höheren Preis, als die bisher verabredeten 900 Mark für den Morgen anzubieten. Bei dem Flächen-Umfange des Bauerngutes Nr. 67 mit mehr als 22 ha. möchte man erwarten, daß ein Morgen dem Besitzthum nicht allzu großen Eintrag brächte. Andererseits läßt sich vielleicht an der mit 2657 Mark veranschlagten Kirchhofmauer um das Erweiterungsland entweder dauernd oder einstweilen sparen. Eventuell wäre, wie mein Hochwürdiges General-Vicariat-Amt am  2.v. Mts. rieth, die Anlegung eines ausreichenden zweiten Kirchhofes in das Auge zu fassen. Bei dieser Gelegenheit wollen Euer Hochwürden durch den Kirchenvorstand bei dem Königlichen Katasteramte beantragen, daß als Eigenthümerin des bisherigen Kirchhofes anstatt der Kirchengemeinde die katholische Pfarrkirche zu Weigelsdorf in das Kataster eingetragen werde. Dem Berichte über Ihre Erfolge werde ich seiner Zeit entgegensehen dürfen“. 
            
                                                                  Der Fürstbischof.     + Georg  (Unterschrift)

Am 14. November 1894 übernahm Pfarrer Johannes Lehnert, die Pfarrei Weigelsdorf. Er war bisher Pfarrer in Cöslin und löste Pfarrer Joseph Ginella ab, der nach Jauer versetzt wurde. In dem Übergabe-Protokoll wird berichtet: (Original) „Der Kirchhof: Derselbe ist Eigenthum der Kirche; gegenwärtig um 11 Ar 77 qm erweitert und mit einer Umfassungsmauer geschützt. Die Deckung der Kosten dieser Erweiterung und der Schutzmauer soll durch Aufnahme eines entsprechenden Darlehns aus der Provinzial-Hilfskasse erfolgen, die Amortisierung der Schuld durch Errichtung der Kirchhofskasse ,welche ihre Einnahmen aus den Grabstellengeldern beziehen wird“.
Pfarrer Lehnert hatte wohl gewisse Schwierigkeiten bei seiner Einrichtung auf dem Pfarrhof, bei dem es sich immerhin um ein Bauerngut mit zweistöckigem Wohnhaus, Stallungen für 20 Stck Rindvieh und 6 Pferde, Scheune, Remisengebäude, landwirtschaftlichen Geräten und einem   parkartigen Garten mit Teich, handelte. Die dazugehörigen ca. 45 ha Äcker, Wiesen und Wald waren verpachtet. Am 23. November 1894 schrieb er an den  Erzpriester Aloisio Roesner, Hochwürden zu Münsterberg: (Original) „Lieber Pater Roesner! Der Kirchhof ist fertig und harrt der Einsegnung. Im Pfarrhaus aber herrscht peinliche Ungemütlichkeit. Wollen Sie zur Einsegnung des Kirchhofes kommen, und zugleich visitieren, so wäre es mir lieb, einen Tag in der ersten Adventwoche recht bald zu erfahren, damit ich vorbereitet bin, wenn nicht, damit ich noch Aufschub erbitten kann. Ich kann Ihnen allerdings nur das Zimmer anbieten, in dem jetzt der Ofen gesetzt wird, in den anderen Zimmern geht die Arbeit nächstens los. Das Inventar ist hier elender Plunder. Das wird noch einen schönen Briefwechsel geben. Heute habe ich mir an einem Paar wurmstichigen, fauligen Eggen, die auseinanderfielen und auf meinen Kopf stürzten, ein Paar richtige Beulen geholt. Wenn etwa in Kürze der Convent sein sollte, sagen Sie dem Cappelanus, er soll mir eine Karte schreiben, daß ich mich danach richte. Wegen des Einführungsprotokolls nächstens“.

                                                     Es grüßt bestens    
                                                        Ihr ergebenster Lehnert, Pfr.

Am 31. März 1931 verstarb Pfarrer und Geistlicher Rat Johannes Lehnert und am 15. Juli 1931 übernahm sein Nachfolger , Pfarrer Alfons Gloger, die Parochie Weigelsdorf. In dem „Inventarium“ wird unter „Liegenschaften“ aufgeführt: „1. Friedhof: Alter Teil 36 Ar 20 qm, neuer Teil 11 Ar 77 qm, insgesamt 47,97 Ar. Friedhof und Kirche sind eingetragen im Grundbuch von Weigelsdorf Band VI, Blatt 174, am 12. Mai 1893 als Eigentum der Kath. Kirchengemeinde (Pfarrei). Die Umfriedung des Friedhofes ist aus Stein, bzw. Ziegeln, in gutem Bauzustand. Ein Teil des Kirchhofes ist gepflastert. Grabstellengelder fließen in die Friedhofskasse“. Das letzte, noch vorhandene „Inventarium“ wurde von Pfarrer Alfons Gloger am 15. Dezember 1936 erstellt. Veränderungen bei den „Liegenschaften“ sind darin nicht zu verzeichnen.

* * * * * * *

Heute hat der Besucher, vom Fuße des Kirchturms auf den Kirchhof blickend, den Eindruck, als ob er auf eine, mit einer roten Ziegelmauer umgebene Wiese sieht, auf der man noch 10 Gräber, wahllos verstreut, erkennen kann, denn wie in vielen anderen, schlesischen Dörfern wurden auch in Weigelsdorf die Gräber der verstorbenen Deutschen nach der Vertreibung 1946 entfernt, bzw. die Grabhügel begradigt. Wo all die Denkmäler, Grabsteine und Einfassungen geblieben sind, läßt sich heute angeblich nicht mehr feststellen; bis auf 12 Grabsteine, die man wieder aufgefunden und am Eingang zum Kirchhof aufgestapelt hat. Die Inschriften sind aber meistens entfernt.  Mit einem Abstand von etwa 150 m zur nördlichen Kirchhofsmauer wurde außerhalb, auf Guberts Acker, ein neuer, polnischer Kirchhof errichtet. Nach der Bepflanzung und demBaumbestand zu schließen, sicherlich gleich nach 1946. Warum sich die 10 polnischen Gräber noch auf dem deutschen Kirchhof befinden ist nicht bekannt. Etwa in der
Mitte wird der Kirchhof durch einen Kiesweg geteilt, der von halbhohen Bäumen besäumt wird, und es ist eigentlich tröstlich zu wissen, daß die Fronleichnams-Prozession und die Prozessionen zu anderen Anlässen auch heute noch über diesen Kiesweg auf dem Weigelsdorfer Kirchhof führen. Aber auch ohne sichtbare Grabstätten ist und  bleibt er ja „Geweihte Erde“, wenn auch links und rechts des Weges schon mal Heuhaufen liegen. Bemerkt werden sollte aber, daß die gesamte Fläche einen ordentlichen Eindruck macht.
                                          Manfred Klemenz, Glandorf, Jan.2005
                                          Eigenbericht n.Original-Unterlagen)

                            
       * * * * * * *

 Fronleichnams-Prozession am 07.06.2007 in Weigelsdorf / Wigancice

Im Mai 2007 wurde der "Heimatausschuß Kirchspiel Weigelsdorf" von Pfarrer Wojcik aus Wigancice unterrichtet, daß die Fronleichnamsprozession in diesem Jahr genauso wie "zu deutschen Zeiten" stattfinden wird, und er würde sich freuen, wenn auch einige der ehemaligen deutschen Bewohner daran teilnehmen würden, obwohl ihm bekannt sei, daß für 2007 keine gemeinsame Busreise geplant ist. Unser Heimatausschußmitglied und Reiseleiter N.K. setzte nun alle Hebel in Bewegung, und es gelang ihm, eine 12 Personen starke Gruppe für eine Reise zu interessieren. Mit einem 25iger Kleinbus ging unsere Reise am 04.06.07 über die bekannte Route Braunschweig, Berlin, Breslau-Süd,  Frankenstein, nach Bad Altheide ins Hotel "Pension Panorama", daß verschiedenen Mitreisenden  bereits bestens bekannt  war. Nach dem Reiseplan vorgesehen waren zwei Übernachtungen in Bad Altheide und drei Übernachtungen im "Hotel Sonata " in Münsterberg.
Wieder einmal in der alten Heimat, so standen natürlich auch weitere Unternehmungen auf dem Plan. Am Dienstag, den 05.06.07 ging die Reise nach Glatz und in die "Grafschaft", und ein würdiger Abschluss dieser Tour war der "Kaffeenachmittag" im Gästehaus Lerchenfeld, dem inzwischen bereits vielen Schlesien-Besuchern bekannten "Derhääme-Häusla"
Der Mittwoch begann mit einer Fahrt nach Reichenstein. Von hier führte uns die Reise nach Patschkau und weiter nach Ottmachau, wobei die Besichtigung des "Ottmachauer Stausees" natürlich Pflicht war. Nach einer ausgedehnten Besichtigung der Stadt Neisse ging die Rückfahrt nun nach Münsterberg, denn hier, im "Hotel Sonata"war unser Aufenthalt für die nächsten drei Tage gebucht.
Am Tag der Anreise informierte der Reiseleiter N.K. die Reiseteilnehmer, daß die Fronleichnamsprozession  doch nicht in der vorgesehenen "deutschen Art" stattfinden kann, da verschiedene Massnahmen nicht rechtzeitig fertig werden konnten, so z.B. kann der Rasen der neu eingesäten Wege an der Kirchhofsmauer zu den Altären noch nicht strapaziert werden. Er selbst sei  erst vor einigen Tagen von Pfarrer Wojek hiervon informiert worden. Die Reiseteilnehmer fanden das zwar nicht als "die feine Art" waren allesamt aber trotzdem bereit an der Fronleichnamsprozession teilzunehmen.
Zu dieser fuhren wir nun am 07.06.08 nach Weigelsdorf. Nach einer Messe in der Kirche startete die Prozession unter Teilnahme von hunderten der polnischen Bevölkerung. Der Weg führte von der Kirche  hinab zur Ortsstraße und dann etwa 200 m  Richtung Niederkunzendorf, zum ersten Altar. Danch zurück bis zum Schwesternhaus, vor dem der zweite Altar aufgebaut war. Weiter ging die Prozession bis zum "Thiel-Bäcker", zum dritten Altar. Von hier aus nahm die Prozession wieder den Weg zur Kirche, bis zum Glockenturm, bei dem ein Altar im freien aufgebaut war, an dem Pfarrer Wojcik gemeinsam mit einem Pfarrer aus einer Nachbargemeinede, noch ein Hochamt zelebriete. Auch an diesem Tag erfolgte eine Einladung von Pfarrer Wojcik an alle Prozessionsteilnehmer zu einem Beisammensein "bei Speis und Trank" auf dem Pfarrhof, und bei schönem Sommerwetter wurde diese Einladung gern, und zahlreich angenommen.
Freitag, der 08.06.07 war für den Aufenthalt in Münsterberg vorgesehen, und wurde zu einer ausgiebigen Stadtbesichtigung genutzt. Nach einem Besuch am Grab von Georg Hahnel auf dem Münsterberger Friedhof war ein  Ziel die Hartmann-Baude, während der Berichter  den "Größten Adler in Polen" aufsuchte. Nach dieser erlebnisreichen Woche ging die Reise am Samstag, dem 09.06.07 wieder Richtung Heimat, die auch ohne besondere Vorkommnisse wieder erreicht wurde.  

                                                                                         M.Klemenz

                                       * * * * * * *                                         

                                 



                                           

.