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Polnische Bewohner von Weigelsdorf/
Wigancice stiften Gedenktafel
                     

                                                   ( Von M. Klemenz, Glandorf – Eigenbericht )
      Seit dem 21. August 2005 steht auf dem Friedhof von                                                                                                                     Wigancice/Weigelsdorf eine Gedenktafel  mit der Inschrift
in Deutsch und Polnisch
            
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                          "Zum Gedenken an die Toten"
                                                                     die bis 1946
                                                          im Kirchspiel Weigelsdorf                
                                                       Wohnung und Heimat hatten."
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                                                 "Pamieci zmarlych
                                                                    dla których
                                                        Parafia Wigancice do 1946
                                                      byla domem i mala ojczyzna."

                                                                        R. I. P.             A.D.2005
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Die Erstellung dieser Gedenktafel, es ist schon eher ein Gedenkstein, geht auf eine Initiative unseres  Heimatausschußmitglieds Nikolaus Klimek und des polnischen Pfarrers von Wigancice, Wieslaw Wojcik, zurück. Pfarrer Wojcik ist erst seit Anfang 2003 in Wigancice, und bei einem Besuch Mitte 2004 auf die Erstellung einer Gedenktafel angesprochen, unterstützte er sofort ein solches Vorhaben. In weiteren Gesprächen einigte man sich schnell über Einzelheiten, im besonderen über den Text der Inschrift. Die Gestaltung im einzelnen wurde der polnischen Seite überlassen, zumal Pfarrer Wojcik von sich aus, ohne vorangegangene Diskussion, zusagte, daß die Kosten von den Bewohnern von Wigancice übernommen werden. Diese Kostenübernahme für eine Gedenktafel durch die polnische Bevölkerung ist bisher wohl einmalig!
 
Bei dem Besuch in Glandorf im September 2004 konnte Pfarrer Wojcik dann schon den Einweihungstermin nennen, der mit dem 2. Patronatsfest des hl. Bartholomäus zusammengelegt war, und er überbrachte eine herzliche Einladung zum Besuch von Wigancice/Weigelsdorf. Diese verhalf unserem Reiseleiter Nikolaus Klimek auch zur problemlosen Ausbuchung des Reisebusses mit 50 Plätzen für eine Schlesienreise vom 18.-25.08.05, und zur Reisegruppe der „Weigelsdorfer“ aus Glandorf und Braunschweig  gehörten auch die stellvertretende Bürgermeisterin  von Glandorf, Frau Hälker, und Gemeindedirektor Herr Schlotmann mit Gattin.
 

Am Sonntag, dem 21. August 2005 fuhren wir mit einer gewissen, neugierigen Erwartung von Bad Altheide über Münsterberg nach Weigelsdorf, und da das Hochamt erst für 13.00 Uhr angesetzt war, mußten die Besuche bei den bereits bekannten, polnischen Familien vorher erfolgen.
Nun zur Gedenktafel; sie war wohl für alle eine angenehme Überraschung. Die ganze Art und Gestaltung ist bestens gelungen. Der Standort, direkt gegenüber dem Eingang unter dem Kirchturm, „zwingt“ den Kirchenbesucher fast zur Kenntnisnahme der Gedenktafel. Elf wiedergefundene Grabsteine ehemaliger deutscher Gräber, an denen allerdings die Inschriften entfernt wurden, sind um die Gedenktafel erneut aufgestellt. Für den Sockel der Gedenktafel wurden wieder gefundene Bruchstücke deutscher Grabsteine verwandt. Auch das Grabkreuz des am 1. Juni 1864 verstorbenen Pfarrers von Weigelsdorf, Konstantin Gloger, das im vorigen Jahr an der Friedhofsmauer wieder entdeckt wurde, bekam einen neuen Standort; direkt hinter der Gedenktafel.

 
Vor dem Hochamt empfing und begrüßte Pfarrer Wojcik den ehemaligen Bischof der Erzdiözese Wroclaw / Breslau, Kardinal Henryk Gulbinowicz und dessen Amtsbruder Diözesanbischof Leon Dubrawski aus der Ukraine, sowie etwa zwanzig Geistliche aus den Nachbargemeinden, aus Heinrichau und Breslau. Die polnische Bevölkerung hatte sich zu hunderten eingefunden. In der total überfüllten Kirche hielt Kardinal Gulbinowicz nun ein Pontifikalamt, unter Mitwirkung des gemischten Chores „Pax et Bonum“ aus Tychy / Katowice, der freundschaftliche Verbindungen zu Wigancice hat. Die „Lesung“ wurde von  Nikolaus Klimek in deutsch vorgetragen. Die Predigten und Reden in polnisch wurden alle sofort übersetzt. Bei der Aufnahme der zwischennationalen Verbindungen während des Festes trug Frau Dana Wenzel, Dolmetscherin für Deutsch und Englisch , bei. Nach dem Pontifikalamt fand noch eine Prozession mit dem „Allerheiligsten“ über den deutschen Friedhof statt. Es folgte nun die Weihe der Gedenktafel durch Kardinal Gulbinowicz, und die Segnung aller Anwesenden bei  diesem Festakt. Danach ergriff unser Mitglied des Heimatausschusses „Kirchspiel Weigelsdorf“, Nikolaus Klimek, das Wort:
    
Pani i Panowie, liebe Heimatfreunde des Kirchspiels Weigelsdorf, liebe Gäste!
 
Ich möchte Sie alle recht herzlich begrüßen und willkommen heißen. – Witamy serdecznie!
Besonders begrüßen möchte ich auf polnischer Seite den Bürgermeister von Ziebice/Münsterberg Pan Wolski, für Wigancice/Weigelsdorf Pan Kolodiej, für Kalinowice Dolne/Niederkunzendorf Pan Sierka, und für Kalinowice Gorne/Oberkunzendorf Pan Tabor. Ebenso begrüßen möchte ich Frau Hälker, die stellvertretende Bürgermeisterin von Glandorf und den Gemeindedirektor von Glandorf, Herrn Schlotmann.
 

Meine sehr verehrten Damen und Herren!

Mit der Enthüllung und Weihe dieser Gedenktafel erleben wir heute eine historische Stunde. Hier auf dem Friedhof von Wigancice/Weigelsdorf haben sich die jetzigen Bewohner von Wigancice und die ehemaligen Bewohner von Weigelsdorf versammelt. 60 Jahre nach dem verheerenden Krieg und der Vertreibung aus der Heimat reichen sich über den Gräbern unserer Vorfahren Polen und Deutsche die Hände zur Vergebung und Versöhnung. Diese Tafel ist somit nicht nur eine Gedenktafel für die Verstorbenen, die bis 1946 hier gelebt haben, sondern sie ist auch ein Zeichen der Versöhnung. In den letzten 15 Jahren haben wir, die ehemaligen Bewohner von Weigelsdorf, unsere alte Heimat jedes Jahr besucht. Wir lernten die jetzigen Bewohner von Wigancice kennen und schätzen. Wir waren immer wieder überrascht, mit welcher Gastfreundschaft wir hier empfangen wurden.

Wir feierten soeben gemeinsam den Gottesdienst in unserer ehemaligen Pfarrkirche. In dieser Kirche wurden wir getauft und empfingen die erste hl. Kommunion. Unser gemeinsamer Glaube ist eine der Grundlagen für unsere bisherigen Begegnungen . Nicht nur unser Glaube verbindet uns, sondern auch unser gemeinsames Schicksal ist ein Bindeglied bei unseren Begegnungen. Deutsche und Polen mußten nach dem 2. Weltkrieg zwangsweise ihre Heimat verlassen. Den Schmerz über diesen Einschnitt in unser Leben  spüren wir noch immer. Doch es ist tröstlich zu wissen, hier in unserer Heimat jeder Zeit willkommen zu sein.


So möchte ich in dieser Stunde unserer Gemeinschaft nicht versäumen Dank zu sagen. Wir haben zu danken unserem Pfarrer von Wigancice Wieslaw Wojcik, dem Initiator dieser Versöhnungsfeier. Wir haben zu danken den Bewohnern von Wigancice, die durch ihre Spendenbereitschaft es möglich gemacht haben, hier eine Gedenktafel an die verstorbenen, ehemaligen Bewohner zu errichten. Damit geht ein von uns schon lange gehegter Wunsch in Erfüllung. Ich  möchte schließen  in der Hoffnung, daß es in Zukunft nicht mehr so sehr darum geht Pole oder Deutscher zu sein, sondern daß wir alle Europäer sind, die in einem vereinten Europa friedlich nebeneinander leben wollen. Dazu gebe Gott seinen Segen“!
 
Es folgten nun die Grußworte der Stellvertreterin des Bürgermeisters von Glandorf, Frau Hälker:

„Verehrter Herr Pfarrer Wojcik, Pani i Panowie, liebe Weigelsdorfer, verehrte Gäste!
Ich bringe Ihnen herzliche Grüße aus Glandorf im Osnabrücker Land, der Patengemeinde der Weigelsdorferseit 19 Jahren, und ich freue mich zusammen mit Herrn Schlotmann und allen deutschen Gästen diesen Moment miterleben zu dürfen. Die Worte von Herrn Klimek führten uns die Bedeutung  dieser Stunde vor Augen. Polen und Deutsche reichen sich 60 Jahre nach  Kriegsende in der Erinnerung an die hier bestatteten Verstorbenen die Hände. Das Besondere daran ist, daß nach einer langen Zeit, Herr Klimek nannte 15 Jahre, in der behutsam der Kontakt gepflegt wurde, nun die Gemeinsamkeiten entdeckt werden.


Krieg und Vertreibung sind nach 60 Jahren zwar nicht vergessen, aber die Erinnerung daran ist leichter zu ertragen, besonders wenn man spürt, daß unsere hier bestatteten deutschen  Vorfahren  von den Bewohnern von Wigancice geachtet werden und daß ihrer mit dieser Gedenktafel gedacht wird.
Der diesjährige Besuch in Ihrer Gemeinde und besonders diese Feier verstärken das Bewußtsein, daß wir gemeinsame Wurzeln haben;  der christliche Glaube, die Liebe zur Heimat und die gegenseitige Anerkennung und Wertschätzung. Neu hinzukommt, daß wir heute nicht mehr nur Polen oder Deutsche sind, sondern im vereinten Europa in einer internationalen Völkergemeinschaft partnerschaftlich leben. Wir leben miteinander im gemeinsamen  Markt und lernen voneinander. Am wichtigsten aber sind gegenseitige Besuche, und wir müssen daraufhin wirken, daß sich das auch bei den jungen Menschen als Wunsch durchsetzt. Daraus entstehen Freundschaften, die letztlich den Frieden unter unseren Völkern sichern.
Mit diesem Ziel vor Augen möchte ich schließen mit einem  Irischen Segensgebet :

Gott segne die Erde, auf der ich jetzt stehe,
Gott segne den Weg, auf dem ich jetzt gehe,
Gott segne das Ziel, für das ich jetzt lebe“!
 
Nach diesen Worten bedankte sich Pfarrer Wojcik bei allen Anwesenden für ihr zahlreiches Erscheinen und lud alle zu einem gemeinschaftlichen Beisammensein auf den Pfarrhof ein. Im  Freien, bei herrlichem Sommerwetter, war ein, im wahrsten Sinne des Wortes, rustikales Büfett angerichtet, bei dem die „Völkerverständigung“ fortgeführt wurde. So wird der 21. August 2005 für die Bewohner von Wigancice und die Vertriebenen aus dem  Kirchspiel  Weigelsdorf, und hoffentlich auch für deren Nachkommen, ein denkwürdiger Tag bleiben.    
                                                                           
                                                                  20.07.2011                         

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